Quellenangabe:;

1. Bozorg-Grayeli, A., Guevara, N., Bébéar, J.P., Ardoint, M., Saaï, S., Hoen, M., Gnansia, D., Romanet, P., Lavieille, J.P. (2015) Clinical evaluation of the XDP output compression strategy for cochlear implants. European Archives of Oto-Rhino-Laryngology. 17 Oct 2015. 

Klinische Bewertung von CrystalisXDP

In einer kürzlich durchgeführten multizentrischen Studie wurde die Wirksamkeit von CrystalisXDP, der neuen Signalverarbeitungsstrategie für Cochlea-Implantate, untersucht, die erstmalig in Verbindung mit dem Saphyr Neo Soundprozessor vorgestellt wurde. Im Vergleich zu früheren Versionen der Signalverarbeitungsstrategie konnte bei CrystalisXDP sowohl eine Verbesserung der Sprachverständlichkeit in ruhiger und geräuschvoller Umgebung als auch eine subjektive Verbesserung der Klangqualität nachgewiesen werden.

Vocal audiometry in quiet

Bozorg-Grayeli konnte mit Kollegen aus fünf verschiedenen Universitätskliniken in Frankreich1 bei (20 erwachsenen) Trägern eines Cochlea-Implantats von Oticon Medical zeigen, dass diese von einem Umstieg auf einen Soundprozessor mit der neuen Verarbeitungsstrategie CrystalisXDP profitieren können. Vorteile zeigten sich in den Werten der Sprachwahrnehmung in Ruhe bei unterschiedlichen Intensitäten, in der Sprachverständlichkeit im Störgeräusch sowie durch eine allgemeine Verbesserung der Klangqualität. Insbesondere wurde im Vergleich zur früheren Signalverarbeitungsstrategie nach einer 30-tägigen Eingewöhnungszeit eine Verbesserung der Sprachwahrnehmung in geräuschvoller Umgebung um 30 bis 40 % erreicht. Die Sprachverständlichkeit wurde zunächst in Ruhe bei 40, 55, 70 und schließlich bei 85 dB SPL untersucht. CrystalisXDP wurde auf einen mittleren Pegel voreingestellt, der für Töne mit einer durchschnittlichen Intensität von 70 dB SPL optimiert ist. Wie aus Abbildung 1 ersichtlich ist, lieferte CrystalisXDP sowohl am Tag des Umstiegs auf die neue Strategie als auch nach der Eingewöhnungszeit höhere Ergebnisse. Die Werte stiegen bei Tönen, die mit einem Schalldruckpegel von 55 dB SPL dargeboten wurden, allmählich an und erreichten schließlich nach der Eingewöhnungszeit einen im Vergleich zur Standardstrategie um 8,5 % signifikant erhöhten Wert. Verbesserungen wurden außerdem bei höheren Intensitäten beobachtet, und zwar um 7,8 % bei 70 dB SPL, signifikant am Tag 0, sowie um 17,7 % bei 85 dB SPL am Tag 30, was eine bessere Repräsentation lauter Töne nahelegt.

Abb. 1: Sprachaudiometrie in Ruhe bei 40, 55, 70 und 85 dB (N=20)

Vocal audiometry in noise

Die Sprachwahrnehmung im Störgeräusch wurde durch die Darbietung einzelner Wörter in Verbindung mit der Geräuschkulisse auf einer Cocktail-Party bei einem Signal-Rausch-Verhältnis (SNR) von 10 dB untersucht. Gruppenergebnisse haben gezeigt, dass sich die Werte gegenüber der Standardstrategie (27,5 %) bei CrystalisXDP am Tag 0 (32,7 %) und am Tag 30 (54,6 %) erhöhten, wodurch bei 20 Teilnehmern nach der Eingewöhnungszeit eine Verbesserung von +27,1 % nachgewiesen werden konnte. 
Um sicherzustellen, dass dieser Effekt tatsächlich auf eine Änderung der Signalverarbeitungsstrategie zurückgeführt werden konnte, und nicht in erster Linie auf andere Einflüsse während der Eingewöhnungszeit, wurden von den Autoren am Tag 30 zusätzliche Daten von neun Teilnehmern erfasst, deren Soundprozessor mit der Standardstrategie ausgestattet war (Abb. 2). In dieser Untergruppe schien sich bereits am Tag 0 eine Verbesserung des Sprachverstehens in geräuschvoller Umgebung mit CrystalisXDP gegenüber der Standardstrategie von +10,4 % zugunsten von CrystalisXDP abzuzeichnen, die schließlich nach der Eingewöhnungszeit statistisch signifikant wurde und mit einer Steigerung von 40 % im Vergleich zur Standardstrategie einen Höhepunkt in der Verbesserung der Sprachwahrnehmung im Störgeräusch erreichte.

Abb. 2: Sprachaudiometrie im Störgeräusch (10 dB SNR Cocktail-Party-Geräusch, N=9)

Die subjektiv wahrgenommene Klangqualität wurde anhand einer kurzen, aus dem APHAP-Fragebogen abgeleiteten Erhebung (10 Fragen) beurteilt, bei der die Anwender auf einer Skala von 0 (= sehr schlecht) bis 10 (= sehr gut) ihre in zehn unterschiedlichen Hörsituationen (Sprachwahrnehmung in Ruhe und in lauter Umgebung, Klangqualität in Ruhe und in lauter Umgebung, festgestellter Höraufwand beim Fernsehen oder Telefonieren, Klangqualität von Musik, Qualität bei Interaktion in gesellschaftlichen Situationen und den Gesamteindruck) wahrgenommene Klangqualität bewerten sollten.

Subjective sound quality appraisal

Wie in Abb. 3 dargestellt, waren alle subjektiven Bewertungen der Klangqualität mit CrystalisXDP aufgrund einer im Wesentlichen durch den Strategiewechsel bedingten signifikanten Verbesserung höher. Markante Unterschiede (* signifikante Unterschiede nach den Soll-Vergleichen) betrafen die folgenden gebündelten Aspekte: Lärm: Sprachverständlichkeit, Klangqualität in geräuschvoller Umgebung, subjektiver Höraufwand und soziale Interaktion; Freizeit: Fernsehen, Musik und Telefon. Diese Ergebnisse zeigen, dass eine auf Sprachwahrnehmung optimierte Signalverarbeitungsstrategie und ein breiter Eingangsdynamikbereich in Verbindung mit einem Back-End-Mehrkanal-Kompressionssystem wie CrystalisXDP die Sprachverständlichkeit sowie die allgemeine Zufriedenheit von Trägern eines Cochlea-Implantats verbessern kann. 

Abb. 3: Bewertung der subjektiv wahrgenommenen Klangqualität (auf einer Skala von 10)